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Und jährlich grüßt das Rentier

Und wieder ist es soweit, die zweite Kerze brennt und wir sind alle mittendrin im alljährlichen Weihnachtswahnsinn.

Wie schon all die Jahre zuvor, habe ich mir natürlich auch dieses Jahr ganz fest vorgenommen, mich davon nicht anstecken zu lassen und diese besonderen Tage in Ruhe zu genießen und wie schon all die Jahre zuvor, hat das bisher noch nicht so richtig funktioniert. Ich stecke mal wieder offiziell im Weihnachtschaos.

Wem schenke ich was, wer besucht uns wann, wann besuchen wir wen und und und.

Doch warum ist es so, dass die meisten von uns gerade die angeblich besinnlichsten Tage im Jahr als die stressreichsten erleben und sich spätesten am 27.12. total urlaubsreif fühlen?

Wenn ich das wüsste, dann würde ich sofort ein Selbsthilfebuch darüber schreiben.

Ich kann nur beantworten, warum das bei mir persönlich immer wieder und wieder der Fall ist – ich bin eine unverbesserliche Perfektionistin mit einer schrecklich romantisch idealisierten Vorstellung von meinem/unseren Weihnachtsfest. Leider renne ich schon seit ewigen Zeiten diesem Ideal hinterher und habe dabei große Ähnlichkeit mit Chevy Chase in „Schöne Bescherung“. Da Kinder, Verwandtschaft und Keksteig nur selten machen, was man von ihnen erwartet, erlebe ich Jahr um Jahr einige Enttäuschungen und Momente des Frusts.

Was mir am Ende hilft am späten Weihnachtsabend doch zufrieden mit mir und der Welt zu sein, das ist ein Blick in die Stuben von Familie Hoppenstedt und Familie Heinz Becker. Wenn ich deren chaotisches Fest erlebe und mir vor Lachen den Bauch halte, dann sind all die kleinen Pannen und Unwägbarkeiten bei mir vergessen. In Vergleich zu deren Debakeln, ist es bei uns immer gemütlich und schön.

Und überhaupt bin ich insgesamt schon viel gelassener als noch vor drei/vier Jahren. Mit dem Alter soll ja die Weisheit kommen.

Ich erspare mir den Menschenrummel in den Städten und ordere die Geschenke zu einem großen Teil online. Ds heißt aber auch, dass meine Kinder Ende November wissen müssen, was das Christkind bitte bringen soll, damit ich die Päckchen fertig gepackt habe, wenn die zweite Kerze brennt. Ich bin halt ein Planungs-Freak. Mein Sohn ist in diesem Jahr besonders bescheiden, er wünscht sich nur eine Thermoskanne um heißen Tee mit in die Schule nehmen zu können. Hach, wenn der wüsste …

Unser Weihnachtsbraten heißt seit zwei Weihnachten Antipasti und Tapas Platte. Das schmeckt uns einfach wunderbar und hat den Vorteil, dass ich nicht stundenlang am Herd schuften muss. Außerdem haben wir festgestellt, dass so ein Essen sehr kommunikativ und gemütlich ist, weil es Stunden dauern darf, ist ja sowieso schon kalt. Warum bin ich da nicht schon viel früher drauf gekommen?

Dekorieren für Weihnachten ist mein absolutes Jahres-Highlight. Ich habe einfach Spaß dabei, all die wunderbaren kostbaren Habseligkeiten aus dem Keller hochzutragen und dann in Regalen und Fensterbänken zu verteilen. Es sind immerhin vier bis sechs Wochen mit meinen geliebten Schneekugeln, meinen Schneemänner, den selbstgestalteten Kugeln und den Wichteln. Überhaupt ist es die einzige Zeit, in der man so richtig maßlos mit Nippes und Rumstehchen übertreiben darf, wo alles glitzert und leuchtet ohne kitschig zu sein. Ich liebe es einfach meine Wohnung in ein Weihnachtswunderland zu verwandeln und freue mich über jedes kleine Licht und jedes Glänzen wie ein kleines Kind. Wenn dann der geschmückte Tannenbaum zum ersten Mal erstrahlt, dann ist der absolute Höhepunkt des Zaubers erreicht.

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Diese Kugel habe ich im letzten Jahr bei Pinterest entdeckt und nachgebastelt.

Ich habe etwas durch diese besondere Zeit gelernt. 4 – 10kg Weihnachtskekse, ein aufwändiges Essen und singende Kinder unterm Tannenbaum machen mich nicht zu Super-Mama, zur perfekten Hausfrau und schon gar nicht zu einem besseren Menschen. 20 verschiedene Gebäcksorten sagen nur eines über mich aus, nämlich dass ich stundenlang in der Küche gestanden habe. Nicht mehr und nicht weniger. Meine Kinder singen nicht unterm Tannenbaum, weil ich sie vier Wochen lang mit Rolf Zuckowski und Co dauerbeschalle und sie froh sind, wenn mal für ein paar Stunden die Winterkinder Sendepause haben. Am ersten Feiertag werde ich dann wieder voller Freude „In der Weihnachtsbäckerei“ und „Kling Glöckchen“ singen, schließlich habe ich nur vier Wochen im Jahr die Gelegenheit dazu.

Das einzige womit ich überhaupt nicht glücklich bin und niemals glücklich werde, dass ist die Tatsache, dass ich schon all die hübschen Geschenke für die liebsten Menschen in meinem Leben daheim habe und noch sooo lange warten muss, bis ich sie endlich endlich überreichen darf.

Genießt die Tage bis Weihnachten und den Zauber einer ganz besonderen Zeit. Werdet wieder zum Kind und haltet einfach auch mal staunend und bewundernd inne, denn so schnell wie der erste Dezember kommt, so schnell ist er auch wieder vorbei und dann müssen wir wieder ein ganzes Jahr warten, bevor der schönste Wahnsinn von vorne beginnt.

P.S.: Vielleicht ist es Euch schon aufgefallen, ich habe mir mein Weihnachtsgeschenk schon gegeben – eine Spiegelreflexkamera. Ich habe fast drei Jahre drauf gespart und freue mich noch immer wie Bolle.

Über den Autor

Wiebke

Wiebke

Geboren 1977 und beschenkt mit 150cm quirliger Lebensgröße.
Lebensumarmerin, Pferdestehlerin, Situationskomikerin, Genießerin und Grüblerin.
Irgendwas zwischen modebegeistert und modekritisch, Schuhrudelführerin und Stilsammlerin.
Mama und Hundefrauchen.
Klein aber fein und trotzdem KEIN PÜPPCHEN!

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