JustFab oder eher JustAbo

Ich gebe es hiermit offen und ehrlich zu: Ich bin auf die raffinierte Verführung von JustFab reingefallen.
Zu meiner Verteidigung sei vielleicht gesagt, dass ich dem Unternehmen schon in den Anfangszeiten auf den Leim ging und somit leider nicht durch Vebraucher Blogs und ähnliche vorgewarnt war.
Wie wahrscheinlich so ziemlich jeder, wurde ich durch die Fernsehwerbung auf das Unternehmen aufmerksam. Als Shoeholikerin musste ich mir damals den Onlineshop natürlich sofort ansehen und der erste Blick war durchaus vielversprechend.
Schnell hatte ich die Fragen zu meinen Stylevorlieben beantwortet, um meine ganz persönlich erstellte Boutique präsentiert zu bekommen. Ein erstes Paar Schuhe war gefunden, eine Handtasche auch und da die zusammen für 39,95€ zu bekommen waren, zögerte ich nur kurz. Gerade so lange, um mir die Bestell- und Mitgliedsbestimmungen durchzulesen und mich mit den Geschäftsbedingungen vertraut zu machen. Alles las sich ganz fair: Jeden Monat eine neue Boutique, als VIP immer nur 39,95€ bezahlen, kostenlose Mitgliedschaft und keine Kaufverpflichtung (!).
Dachte ich …
Hätte ich das Kleingedruckte Wort für Wort gelesen und wirklich jedes Wort gelesen, dann wäre mir am Ende vielleicht sogar aufgefallen, dass ich da einer ganz besonderen „Geschäftsidee“ auf den Leim gegangen bin. Natürlich ist die Mitgliedschaft an sich kostenlos und natürlich besteht keine Kaufverpflichtung. Das heißt bei JustFab aber nicht, dass ich nicht trotzdem einen monatlichen Beitrag von 39,95€ leisten muss, wenn ich nicht regelmäßig am Monatsanfang meine Boutique aufsuche und den „pausieren“ Button betätige. Verstreicht der 5. eines Monats, bucht JustFab den genannten Pauschalbetrag ab und schreibt ihn meinem Konto gut. Klingt schonmal ein bisschen nach Bauernfängerei, aber der eine oder andere mag denken: „Na gut, dann mache ich das halt jeden Monat.“ Dachte ich auch, nachdem der erste Monat schon mal abgebucht war, weil ich ja bis dahin gar nicht wusste, dass das die Bedingungen für die Mitgliedschaft sind. Diese Tatsache ist in den AGBs sehr gut versteckt und formuliert gewesen. Im nächsten Monat war ich also schlauer und habe pausiert. Wer allerdings pausieren möchte, dem werden zunächst wieder ganz viele tolle angesagte Styles präsentiert, die man sich angeblich entgehen lässt – also eine klare Kaufverführung. Außerdem muss das Pausieren auch begründet werden. Man hat dabei die Wahl zwischen drei fertigen Antworten, oder schreibt seine Begründung selbst. Dabei empfinde ich vor allem die Wahlmöglichkeit „Das Aufstocken meiner Garderobe liegt diesen Monat nicht in meinem Budget“ als massiven Angriff auf meine Privatssphäre.
Ein paar mal habe ich dann aber doch bei JustFab bestellt und war bei den Schuhen jedes mal herbe enttäuscht. Das Material und die Verarbeitung waren meiner Meinung nach bei keinem Modell nur annähernd 39,95€ wert. Die Schuhe sind extrem schmal geschnitten, billig verklebt und halten nicht viel aus. Die Taschen sind ganz hübsch, nahe am Trend und an den großen Designern, aber auch hier muss ich leider sagen, dass ich die gleiche Qualität an PU-Leder und Polyesterfutter bei Deichmann für ca. 10€ weniger bekomme. Insgesamt für mich sehr enttäuschend. An den Schmuck und die Textilien habe ich mich erst gar nicht mehr herangewagt und fleißig weiter pausiert.
Weil ich ein Mensch bin, der zur Vergesslichkeit neigt, dachte ich mir vor zwei Monaten, nach einer erneuten Abbuchung des monatlichen Pflichtbetrags, dass es Zeit ist, die Mitgliedschaft zu kündigen.
Bei unendlich vielen Shops ist das total einfach. Ins Kundenkonto einloggen, den Reiter „Kündigung“ anwählen und sich durch ein zwei Schritte klicken und fertig. Bei JustFab wird eine Kündigung zum Nervenkrieg. Der Kunde ist nämlich gar nicht in der Lage online zu kündigen, das hat JustFab ausgeschlossen und somit bleibt einem nichts anderes übrig, als beim Unternehmen einen so genannten Fashion-Consultant anzurufen.
Eine lange Warteschleife und viel zu laute Dudelmusik später, „sah“ ich mich  einem wirklich gut geschulten Callcenter Agent „gegenüber“. Nachdem ich mein Anliegen – die Kündigung meines VIP Accounts – vorgetragen hatte, wurde ich regelrecht bombardiert mit den ganzen Nachteilen, die eine Kündigung für mich zur Folge hätten und das nicht nur einmal, nein mehrfach, nahezu in jedem Satz. Darüber hinaus ist es auch so, dass ein gekündigtes Abo zur Folge hat, dass man sich nie mehr mit der Email-Adresse des Accounts einen neuen Account zulegen kann. JustFab sperrt nach meinem Verständnis seine alten Kunden sozusagen auf Lebenszeit. Ich kann verstehen, dass das viele Frauen zum Umdenken bringt und die Mitgliedschaft somit bestehen bleibt.
Ich blieb hart und wurde zum Basismitglied, da ich ja noch ein Guthaben von 39,95€ hatte. Und das, so die Aussage meines Gegenübers, könne ausschließlich für einen Kauf genutzt und keinesfalls zurück erstattet werden…
An dieser Stelle wäre es nur fair gewesen, wenn mich der Herr am Telefon darüber informiert hätte, dass ein Einlösen meines Credits eine erneute VIP Mitgliedschaft zur Folge hat. Ich bestellte mir von dem Betrag ein paar Booties im Wert von 42,95€, leistete die Differenzzahlung per PayPal und schon war ich wieder drin im System und am Ende erneut enttäuscht über ein Paar Schuhe, dass in meinen Augen nur die Hälfte des Kaufpreises wert ist.
Also habe ich heute wieder bei JustFab angerufen, weil ich mir, obwohl der Kauf schon zwei Wochen zurück liegt, erst heute durch die Email „Ihre neue Oktober-Boutique ist da!“ der Tatsache bewusst wurde, dass ich schon wieder im Abo stecke. Vorher war das nicht ersichtlich gewesen.
Ich habe der Fashion-Consultant am Telefon diesmal gleich das Wort abgeschnitten, ihr untersagt mich über all die traurigen Nachteile meiner Kündigung aufzuklären und sie aufgefordert mein Konto restlos zu kündigen, nicht zurückzusetzen, sondern alle meine Daten mit sofortiger Wirkung zu löschen. Das wurde mir telefonisch zugesagt, schriftlich erhielt ich aber nur die Bestätigung für das Kündigen meiner VIP Mitgliedschaft und das Zurücksetzen meines Accounts auf den Status „Basis“. Ein Einloggen in den Shop hat mir das auch bestätigt. Ich gehöre also noch immer zum Verein.
Vielleicht kann man derartig ausgeklügelten Systemen nur mit Hilfe eines Rechtsbeistandes entkommen, aber noch bin ich zuversichtlich, dass ich das JustFab-„das-ist-überhaupt-kein-Abo“ auch ohne juristische Unterstützung los werden kann.
Ich empfehle Euch deshalb, Euer sauerverdientes Geld lieber in anderen und vor allem fairen Onlineshops an den Mann zu bringen. Da bekommt Ihr unterm Strich den gleichen tollen Style mit mehr Qualität zu weniger Nervenkrieg, was den Spaß an den gekauften Teilen exponentiell erhöht.
Bevor ich es vergesse: Wegen meines ganzen Hin- und Hers heute habe ich mich die Seite des Onlineshops nochmal vorgenommen, insbesondere die Mitgliedschaftsbedingungen und die AGBs. Und siehe da: das Unternehmen hat nachgebessert und das Verfahren ein wenig offensichtlicher gemacht, aber wie gesagt, nur ein wenig. Durch die „Pausieren“-Lösung scheint sich Justfab abgesichert zu haben, ihr Geschäftsmodell nicht als Abo bezeichnen zu müssen. Dennoch finde ich, das System ist ziemlich gut darauf ausgelegt, regelmäßige Einnahmen von Kunden zu generieren, selbst wenn diese eigentlich gar nichts kaufen möchten. Das schließe ich aus meinen persönlichen Erlebnissen mit Justfab und auch aus der Tatsache, dass für mich ein Abo auch dann ein Abo ist, wenn man es nicht Abo nennt.

 

(Foto: Das Foto habe ich selbst erstellt in dem ich  den Deckel eines JustFab Schuhkartons abfotografiert habe)

About the author

Wiebke

Wiebke

Geboren 1977 und beschenkt mit 150cm quirliger Lebensgröße.
Lebensumarmerin, Pferdestehlerin, Situationskomikerin, Genießerin und Grüblerin.
Irgendwas zwischen modebegeistert und modekritisch, Schuhrudelführerin und Stilsammlerin.
Mama und Hundefrauchen.
Klein aber fein und trotzdem KEIN PÜPPCHEN!

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