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Ich habe keine Makel – Ich habe Exklusivitäten

Immer wenn von Schönheit und dem eigenen Aussehen die Rede ist, fällt wieder und wieder ein Wort – „Makel“.

Ich mag diesen Ausdruck überhaupt nicht, denn in meinem Sprachgebrauch ist er absolut negativ belegt und hat im Zusammenhang mit äußerer Schönheit absolut keine Daseinsberechtigung.

Was sind denn diese ominösen Makel, die uns öfter von anderen eingeredet werden und selten von uns selbst entdeckt wurden? Die Allgemeinheit bezeichnet mit „Makel“ jegliche Abweichungen vom vermeintlich Perfekten. Und da liegt auch der Hase im Pfeffer begraben, denn wer zum Geier hat denn das Recht zu sagen, was perfekt ist und was nicht? Ich werde es nicht müde zu sagen – NIEMAND!

Also ist ein Makel gar kein Makel, es ist eine kleine aber wertvolle Besonderheit, die uns individuell und einzigartig macht. Wir sollten diese Besonderheiten nicht mit einem negativen Gefühl betrachten, sondern überlegen wo kommt sie her, warum ist sie da und die positive Seite daran hervorheben. Schönfärberei? Ja vielleicht. Vielleicht ist es aber auch ein Weg zur Selbstliebe und Selbstakzeptanz.

Ich habe die letzten Jahre damit zugebracht meinen Bauch zu betrachten und doof zu finden, weil er nach zwei Schwangerschaften und zwei großen Diäten die Konsistenz eines Kuchenteigs hat und ein bisschen durchhängt. Ich habe alles versucht das gute Stück wieder an Ort und Stelle zu heben und ihm die Elastizität eines Gummibandes zu verpassen, aber ich konnte und kann unmöglich den ganzen Tag lang Sit-ups machen. Es gab zwei Möglichkeiten: 1. ich hülle mich in weite Gewänder und schaffe alle Spiegel ab, die mich halsabwärts zeigen, oder 2. ich füge mich der Natur meines Bindegewebes und bin stolz auf das, was dieser Bauch und ich geleistet haben. Immerhin haben wir zwei Kindern für ganze Neun Monate durch die Gegend geschleppt (incl. Sirtaki tanzen im 8. Monat auf einer Hochzeit) und gemeinsam vor 4 Jahren fast 40kg Masse verloren. Dieser Bauch ist kein Makel – er ist meine Trophäe für Selbstdisziplin!

Ähnliches gilt für mein Gesicht. Ich habe seit der Geburt meiner Tochter Rosacea und das bedeutet, dass ich die meiste Zeit des Tages mit einem roten Gesicht herumlaufe und nicht selten ist das mit kleinen Entzündungsknötchen, ähnlich wie bei einer Akne, übersät. Am Anfang hätte ich mich am liebsten hinter dicken Schichten von Make-up versteckt, aber das verstärkt zum einen die Entzündungen und zum Anderen war und ist das auch keine Lösung. Heute habe ich gelernt diese Haut mit Gelassenheit zu betrachten, ändern kann ich sie sowieso nicht mehr. Je gelassener ich aber bin, um so blasser und ruhiger ist mein Gesicht. Meine Wangen und meine Stirn sind mein Stimmungsbarometer, die jeden Stress und jede emotionale Regung widerspiegeln. Geht es mir gut, geht es meiner Haut gut. Gerate ich aus der Balance und sei es nur, weil ich in Zeitnot gerate, dann färbt sie sich von hellrot bis dunkelrot-blau, je nach Gefühlspegel. Für mein Umfeld ungemein praktisch. So weiß jeder der mich kennt, immer wie es mir geht. Als Kind war ich total verrückt nach diesen Stimmungsfingerringen, die sich durch die Körpertemperatur ständig verfärbten. Heute brauche ich sowas nicht mehr, ich habe mein Gesicht.

Es wird Stellen an unserem Körper geben, über die wir vielleicht niemals etwas Nettes zu sagen haben werden. Ich kann meine inneren Oberschenkel gar nicht leiden. Okay, das ist dann eben so. Akzeptieren können wir sie, denn wer besteht schon nur aus inneren Oberschenkeln? Dafür habe ich aber traumhaft schöne Augen, ein charmantes Lächeln und Waden, dass den Männern der Atem stockt. Kein Mensch besteht nur aus einem Körperteil, das Gesamtpaket macht uns zu individuellen Schönheiten.

Ich habe also keine Makel. Ich habe Exklusivitäten, die mich einzigartig machen und die mitunter auch Geschichten zu erzählen haben. Geschichten, die mein Leben schrieb und die mich ausmachen. Und wenn ich die mit dem ganzen Rest von mir, meinem Charakter und meinem Wesen in einen Topf werfe, dann finde ich mich nicht nur „ganz ok“, dann finde ich mich richtig toll.

Streicht das böse Wort „Makel“ aus Euren Köpfen, wenn Ihr in den Spiegel schaut und betrachtet Euren Körper als das was er ist – einzigartig und schön auf Eure ganz eigene individuelle Art!

Über den Autor

Wiebke

Wiebke

Geboren 1977 und beschenkt mit 150cm quirliger Lebensgröße.
Lebensumarmerin, Pferdestehlerin, Situationskomikerin, Genießerin und Grüblerin.
Irgendwas zwischen modebegeistert und modekritisch, Schuhrudelführerin und Stilsammlerin.
Mama und Hundefrauchen.
Klein aber fein und trotzdem KEIN PÜPPCHEN!

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