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Schuholiker

Mein Name ist Wiebke und ich bin Schuholiker!

Was ein Schuholiker ist? Lasst mich das am folgenden Beispiel deutlich machen:

Ihr lauft durch die Stadt, betrachtet die Schaufenster der einzelnen Läden und plötzlich lässt Euch der Anblick von einem Paar Schuhe innehalten. Wie von einem überdimensionalen Magneten angezogen, steuert Ihr auf das Kunstwerk lederner Glückseligkeit zu und könnt gar nicht anders, Ihr MÜSST diese Schuhe haben. Also betretet Ihr den Laden und lasst Euch die Schuhe von der Verkäuferin in Eurer Größe geben. Natürlich ist es das allerletzte Exemplar in dieser Ausführung. Das ist Schuhschicksal, das muss auch so sein, sonst wäre der Zauber dieser Schmuckstücke nur noch halb so zauberhaft.

Und jetzt kommt das Dilemma: Ihr zieht die Schuhe an und sie passen nicht. Zu eng, zu klein, zu groß, zu weit, ganz egal, sie passen nicht optimal. Jeder rationale Mensch würde sie jetzt dankend ablehnend der Verkäuferin in die Hand drücken und das Geschäft verlassen.

Wir Schuholiker nicht!

Wir reden uns den Schuh passend. Geht nicht? Geht doch! Schließlich gibt es Einlagen, dicke Socken, dünne Socken und überhaupt, das Leder weitet sich doch bestimmt noch. Ach das ist Kunstleder und das weitet sich nicht? Macht nichts, das wird schon gehen. Notfalls nehmen wir uns zur Party am Wochenende noch ein zweites Paar bequemerer Schuhe mit. Und überhaupt, wer schön sein will muss und kann auch leiden. Außerdem ist genau dieses Modell seit heute im Sale, die können wir unmöglich im Laden lassen. Also stolzieren wir mit unserem neusten Schatz zur Kasse, zahlen selig vor uns hin lächelnd den reduzierten Preis für das bestimmt schönste Paar Schuhe von der ganzen Welt und tragen den Karton nebst Inhalt zufrieden nach Hause.

Mir ging es vor zwei Jahren bei Buffalo in Köln in der Schildergasse so. Im Schaufenster standen sie, die tollsten und schönsten Ankle Booties der Welt – stahlblaues Wildleder mit bezogenem Plateau und Pfennigabsatz. Mein wahrgewordener Schuhtraum und dann noch um 50% reduziert. Die musste ich haben. Dass sie nicht passen würden, hätte ich eigentlich vorher wissen können, denn der Schöpfer hat mich mit Hobbit-Füßen versehen – klein, breit aber immerhin haarlos. Die meisten Modelle von Buffalo sind aber für Elfenfüße gemacht und deswegen kommen diese Marke und ich nur äußerst selten zusammen. Und es kam wie es kommen musste, ich stieg in die Größe 36 und meine Zehen rollten sich spontan zusammen, aber nicht in der Längs- sondern in der Querachse. Beim Aufstehen war mir klar, das geht nicht. Meine Großzehen schrien panisch um Hilfe, weil sie im rechten Winkel zum Fußballen gelagert waren und auch der Rest der Zehen drohte unter Blutmangel qualvoll zu verenden. Okay, also die ganze Prozedur nochmal mit Größe 37 und siehe da, die Zehen hatten Platz. Viel Platz, um genau zu sein, sogar viel zu viel Platz, aber hey, wofür gibt es High Heel Einlagen und dicke Socken. Dass ich wegen dem mangelnden Halt und dem viel zu steilen Anstellwinkel nicht in den Schuhen laufen konnte, ignorierte ich und kaufte meinen Traum in Blau.

Kurz nach dem Kauf hatte ich sie einmal an und weil ich beim Tragen um mein Leben gefürchtet hatte, danach auch nie wieder. Seit dem liegen sie in ihrem schwarz pinken Schuhkarton, sorgfältig in Seidenpapier geschlagen und werden ab und an sehnsüchtig von mir betrachtet. Ich schmiede dann Pläne zur Optimierung der Bequemlichkeit und der Stabilität und räume sie dann ungetragen wieder zurück. Mittlerweile habe ich allerdings herausgefunden, dass meine Falke Trekkingsocken, dick gepolstert an vielen Stellen, die idealen Begleiter in den Ankles sind, was mir zumindest ermöglicht, sie zu tragen, wenn ich nur den Weg vom Auto bis zum nächsten Gebäude zu bestreiten habe. Also in der Theorie! In der Praxis habe ich das am Wochenende ausprobiert und dabei am Arm meines Liebsten gehangen, wie eine Ertrinkende am Rettungsring und war nach einer Stunde Shopping in Angstschweiß gebadet. Aber immerhin wurden diese Traumschuhe mal wieder ausgeführt und wenn ich vom Unsicherheitsfaktor absehe, hat es richtig Spaß gemacht mit dem Knallblau ein Hingucker zu sein.

Aber warum sind wir Schuhsüchtigen nur so völlig irrational wenn es um die Objekte unserer Begierde geht? Warum kaufen wir uns Schuhe auch wenn sie super unbequem sind oder kaum tragbar?

Genauso gut könnte ich fragen, warum sich ein Münzsammler Münzen kauft, die kann er doch auch nicht ausgeben, oder der Briefmarkensammler seine Marken nutzen. Wir machen das, weil für uns Schuhe mehr sind als nur ein sinnvolles Stück Leder, das uns vor Nässe und spitzen Steinen schützen soll. Wir lieben Schuhe, wir sammeln sie wir andere Porzellanpuppen oder Teddybären und die haben auch nur den einen, aber wichtigsten Nutzen:

Sie bereiten uns Freude!

Und solange ich Spaß an dieser einzigartig schönen Fußbekleidung habe, werde ich mir garantiert auch immer wieder mal Modelle kaufen, die mir nicht wirklich zu 100% passen, nur weil sie meinen Namen rufen und ich mich in sie verliebt habe. Solange mein Budget und der Platz in meiner Wohnung ausreichen, ohne dass meine Tochter ihr Kinderzimmer für meine Schuhe räumen muss, werde ich weiterhin dieser Sammelleidenschaft nachgehen und weiß mich dabei in allerbester Schuholiker-Gesellschaft. Denn eines ist doch klar:

Nicht nur Schuhe sind Rudeltiere, ihre Trägerinnen auch!

Über den Autor

Wiebke

Wiebke

Geboren 1977 und beschenkt mit 150cm quirliger Lebensgröße.
Lebensumarmerin, Pferdestehlerin, Situationskomikerin, Genießerin und Grüblerin.
Irgendwas zwischen modebegeistert und modekritisch, Schuhrudelführerin und Stilsammlerin.
Mama und Hundefrauchen.
Klein aber fein und trotzdem KEIN PÜPPCHEN!

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