Warum NOCH ein Modeblog? Gibt es nicht schon genug davon?

Ich finde nicht, dass es schon genug davon gibt, denn offensichtlich ist noch immer nicht jeder Typ Frau in diesen Medien vertreten. Es gibt Blogs für junge Frauen, für Twenies, für die Ü40er, für Plus Size, für die Expressiven und für die Außergewöhnlichen. Aber ich habe noch nie einen Blog gesehen für kleine weibliche Frauen, die mit ihrer Schuhgröße 35/36 und ihrer Hosenlänge Inch29 trotzdem kein Püppchen sind.

Wir Aus-der-Reihe-Tänzerinnen des weiblichen Geschlechts, wir, die vom Schicksal bei der Verteilung von Körperhöhe benachteiligt, aber zum Ausgleich mit mehr Körperbreite bedacht worden sind, oder die, die einfach gar nichts abbekommen haben, weder Höhe Breite noch Brust, oder die, die jedem Kerl gemütlich auf den Kopf spucken können, die, die Vladimir Klitschko beim Anblick ihres Schultergürtels vor Neid erblassen lassen, oder deren Becken problemlos Fünfligen ein gemütlich geräumiges Zuhause bieten würden und noch so viele Besonderheiten mehr – ja wir schauen einfach oft dumm aus der Wäsche. Uns gibt es quasi gar nicht, wenn wir uns in der Welt der Mode umsehen. Aber wir sind da, denn wenn wir in den Spiegel schauen, dann schaut jemand zurück.

Ich möchte in diesem Blog nicht den Eindruck einer Besserwisserin machen, dafür bin ich selber viel zu weit entfernt von einem sogenannten Modeprofi. Ich möchte hier einfach über ein Thema schreiben, über dass ich sonst gerne rede. Ich verschone also mein direktes Umfeld ab sofort damit. Ich werde meinen Senf zu allen Themen  geben, die sich um Fashion und/oder alles andere drehen, was uns und das Leben verschönert und die mir relevant erscheinen und zu denen ich was zu verkünden habe. Aber vorallem möchte ich hier eine Plattform schaffen, für alle die, die sich wie ich ständig fragen „Steht mir das wohl auch in 38 (oder jede andere beliebigen Größe jenseits der Size 0)?“ und die sich, wie ich, immer wieder sagen hören: „Mode ist für alle da, aber welcher Teil davon ist für mich?“

Viel zu oft habe ich schon nach Modetipps für meine Figur und meine Größe gesucht, aber nichts gefunden. In der großen Welt der Bekleidungsindustrie scheint die Meinung zu kursieren, dass alle kleinen Frauen elfensgleiche zierliche Kylie Minogue Typen sind. Wer klein ist und normal bis dick ist, der sucht vergebens nach Tipps jeglichen medialen Formats oder hat ein besseres Händchen als ich bei der Google Suche.

Es gibt diese tolle These: Jede Frau kann sich gut und vorteilhaft anziehen!

Finde ich toll, macht mir Mut und motiviert mich doch jedes mal aufs Neue, wenn ich mich nach neuen Klamotten umschaue. Aber wer bitte verrät mir denn jetzt das „Wie“ bzw was mir steht? Wer gibt denn endlich mal den Ratgeber „Klein aber fein und vorteilhaft angezogen“ raus? Und dann kommt ja noch dazu, dass ich und viele andere, nicht immer das Glück haben in Begleitung shoppen gehen zu können und dass diese Begleitung mit Modeverstand und Geschmack ausgestattet ist. Also stehe ich im Laden und habe oft nur diese eine Wahl: Ich muss alles ausprobieren bzw anprobieren, was mir gefällt und passend sein könnte. Das ist sicherlich nicht das Schlimmste, weil man so viel über die Schnitte und Stoffe und Farben lernt, die einem stehen und die einem nicht stehen, aber es kostet Zeit und Nerven.

Mein Tipp am Rande, nicht neu aber wirksam: Macht hemmungslos Gebrauch von den anderen Kundinnen und Kunden in den Kabinen neben Euch. Verkäuferinnen sind leider viel zu häufig nicht die besten Beraterinnen, aber fremde nicht im Unternehmen angestellte Mitmenschen haben meist keine Hemmungen ehrlich zu sein. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten vor den „Ich-sag-schnell-Ja-dann-bin-ich-die-los“ Sagern. Wenn also Euer Gegenüber Euch gerade mal 5 Sekunden Blickkontakt schenkt, dann pfeift auf seine Meinung. Meine Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass sich gerade dann und dadurch ganze Solidaritätsgemeinschaften bilden, weil ich und Du nämlich nicht die einzigen unsicheren Kunden im Laden sind.

Aber zurück zu dem „Warum denn noch ein Modeblog?“

Gegenfrage: „Warum eigentlich nicht?“

Ich habe mich schon viel zu oft über all die Modeblogfotos geärgert, die mir einen Typ Frau vor die Nase setzen, dem ich nicht entspreche und mit dem ich mich auch nicht identifizieren kann. Ich bin weder zarte 16 – bis mitte 20, noch groß und schon gar nicht super schlank. Ich bin 150cm klein und ein bisschen mehr und nicht mehr so taufrisch nach zwei Kindern und zwei großen Diäten und habe halt so meine Problemzonen. Ich bin keineswegs hässlich und auch nicht unfotogen, aber jemand wie ich wird nie in einem Magazin erscheinen, höchstens und wenn überhaupt dann in der Rubrik „Problemfall Make-over“ oder so und so schlimm ist es nun wirklich nicht um mich bestellt.

Und dann möchte ich auch nicht ständig irgendwelche Looks präsentiert bekommen, die sich der Normalverdiener nicht leisten kann, weil das Modell nur High Class Labels trägt. Ich möchte bezahlbare Modetrends sehen. Ich möchte nicht lesen Mantel – Burberry, Tasche – Prada, Schuhe – Louboutin. Mir wäre ein Mantel – Mango, Tasche – Buffalo, Schuhe – Tamaris viel lieber und würde mich da schon nicht gerade im preiswertesten Segment bewegen.

Die amerikanische Kinderbuchautorin Beverly Cleary hat einmal gesagt:

„If you don’t see the book you want on the shelf, write it.“

Also schreibe ich – einen Blog …

About the author

Wiebke

Wiebke

Geboren 1977 und beschenkt mit 150cm quirliger Lebensgröße.
Lebensumarmerin, Pferdestehlerin, Situationskomikerin, Genießerin und Grüblerin.
Irgendwas zwischen modebegeistert und modekritisch, Schuhrudelführerin und Stilsammlerin.
Mama und Hundefrauchen.
Klein aber fein und trotzdem KEIN PÜPPCHEN!

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