Geschmack ist Bandbreite

Es ist wieder mal soweit, die Welt blickt nach Hollywood. Nein, nicht zu den Oscars, sonder zu den Golden Globe Awards 2015.

Und jedes Jahr aufs neue freue ich mich auf die ersten Fotos vom roten Teppich und all den wunderschönen Roben, die uns die Prominenz der Film- und Fernsehbranche dort präsentiert und jedes Jahr, denke ich „Was ist denn das?“Denn jedesmal wird mir eines klar:

Geschmack ist Bandbreite und auch nicht käuflich.

Immer wieder finden sich gerade bei solchen Awards unter den vielen gut gekleideten Menschen auch die, die meiner ganz persönlichen Meinung nach, gewaltig daneben gegriffen haben.

(Melissa McCarthy)

Viele der Damen werden sich wunderschön gefühlt haben und das ist ja auch absolut legitim und das wichtigste, denn wie gesagt: Geschmack ist Bandbreite. Mir müssen die Kleider von Claire Danes und Kerry Washington farblich und vom Stoff her nicht gefallen und ich möchte auch wirklich nicht wissen, was sich Zac Posen eigentlich bei dem roten Etwas gedacht hat, dass Lena Dunham nicht unvorteilhafter hätte umhüllen können. Will ich wirklich wissen, wer die sonst, trotz ihrer Kurven, immer gut angezogene zauberhafte Melissa McCarthy beraten hat? Ich glaube – nein, weil das bestimmt auch der Berater von Jemima Kirke und Rosamunde Pike gewesen ist und sorry meine Damen, aber diese Kleider werden Euch überhaupt nicht gerecht. Oder eben doch? Ist es nur mein ästhetisches Empfinden, dass sich beleidigt fühlt beim Anblick dieser Fotos? Vielleicht nicht nur meines, aber ich gehe davon aus, dass Claire Danes zufrieden mit ihrer Wahl war und Rosamunde Pike sich wohl und sexy in einem Kleid gefühlt hat, dass mir nicht nur zu nackt wäre, sondern von dem ich auch denke, dass es ihrer Figur nicht schmeichelt. Erlaubt ist doch am Ende immer, was gefällt.

Aber das sind in meinen Augen eben auch ein paar Beispiele, die zeigen, dass man Stil und Geschmack nicht kaufen kann oder zusammen mit dem Promistatus überreicht bekommt. Auch in Hollywood greifen die Frauen gerne mal für meinen Begriff völlig daneben.

Doch ganz ehrlich: macht uns das nicht auch Mut? Beschauen wir diese Fotos nicht auch mit einer Prise Schadenfreude und erinnern uns an die letzte Party auf der wir völlig unpassend gekleidet waren und sind froh, dass wir nicht am nächsten Tag in der Gala, Vogue oder VanityFair zu sehen waren? Macht es aus den sogenannten Stilikonen nicht auch wieder ganz normale Menschen wie Du und ich? Ich sage aus vollem Herzen – JA.

Und dann gibt es wieder diese Frauen, die ich noch nie in einem Outfit gesehen und nicht sofort bedingungslos und ein wenig neidisch bewundert habe. Kate Beckinsale z. B., oder die unglaubliche und ganz wunderbare Helen Mirren. Stilsicher bewegen die sich Jahr für Jahr und Veranstaltung für Veranstaltung über den roten Teppich. Wer auch immer gut ausschaut und mein Dauerpositivbeispiel für nahezu alles ist, das ist Selma Hayek und auch wenn ihr Kleid von Alexander McQueen einem Brautkleid nicht unähnlich ist, so passt es dennoch perfekt zum Anlass. Aber lassen wir uns von diesen Damen nicht entmutigen, denn auch die haben garantiert jemanden im Fokus, von dem sie seufzend denken „Oh man, die ist immer so gut angezogen!“ Machen wir sie uns doch zu modischen Inspirationsquellen.

(Helen Mirren)

Das Leben besteht nicht nur aus roten Teppichen und großen Galas, aber gerade dort zeigt sich, wie sonst nur selten, dass auch ein teures Kleid an der falschen Trägerin seine gesamte edle Wirkung verliert. Im Umkehrschluss kann auch ein preisgünstiges Kleid wertig und kleidsam sein, wenn eben die richtige Trägerin drin steckt.

Was aber die richtige und die falsche Klamotte ist, das darf jeder für sich selbst entscheiden, denn solange wir uns in unserem Outfit schön und wohl fühlen, haben wir am Ende alles richtig gemacht!

Über den Autor

Wiebke

Wiebke

Geboren 1977 und beschenkt mit 150cm quirliger Lebensgröße.
Lebensumarmerin, Pferdestehlerin, Situationskomikerin, Genießerin und Grüblerin.
Irgendwas zwischen modebegeistert und modekritisch, Schuhrudelführerin und Stilsammlerin.
Mama und Hundefrauchen.
Klein aber fein und trotzdem KEIN PÜPPCHEN!

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